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6.
Frankenhardter Werkstattgespräch
Zu Gast bei Anne Büssow in Hinteruhlberg
Im Rahmen der "Frankenhardter
Werkstattgespräche" der Kultur-OHG hatte die Künstlerin Anne Büssow
eingeladen. Nach der Begrüßung durch Kurt Kochendörfer zeigte sich Frau
Büssow beeindruckt vom Interesse, das ihre Einladung bei den
Frankenhardtern ausgelöst hatte. 1999 haben sie und ihr Mann das "alte
Haus" (1738) in Hinteruhlberg gekauft, für ihre Zwecke umgebaut und
sind von Wuppertal weg gezogen. Seither wohnen und arbeiten sie in
Frankenhardt und es scheint ihnen hier zu gefallen.
Schon
als Kind wollte sie etwas "mit malen" machen. Mit 13 Jahren (nach der
Volksschule) musste sie sich für einen Beruf entscheiden und lernte
Schaufenstergestalterin. Das war der Anfang einer beruflichen Laufbahn,
die über verschieden Bildungswege zum Studium (Sozialpädagogik,
Soziologie, Politik) führte. Seit 1990 zeichnet sie freiberuflich,
macht Holzschnitte und Bücher in kleinen Auflagen. Das "Kunst spürbar
und erfahrbar" sein muss ist ihr wichtig. Mit einem Zwei-Farb-Druck
demonstriert die Künstlerin die Hochdrucktechnik, so wie sie auch bei
größeren Bildern angewandt wird. Offsetfarben werden im gewünschten
Farbton gemischt und mit einer Walze auf die vorbereiteten Holzplatten
aufgetragen. Diese werden in der Druckmaschine mit einer Walze auf das
Papier gepresst, eine Platte nach der anderen. Das sieht zwar einfach
aus, fordert aber millimetergenaues Arbeiten. Künstlerische Aspekte wie
Idee, Thema, Farben, Papierart und Motiv sind hier noch gar nicht
berücksichtigt. Im Laufe des Abends stellt Anne Büssow verschiedene
Arbeiten vor, wie ihre Ergänzungen zum "Sommerlied" von Ernst Jandl.
Die erste Strophe ist das Gedicht, weitere 20 "Strophen" sind
Variationen von geschlossenen Ovalen, die durch "Auslese" nach 10 Tagen
drucken entstanden sind. Hier war zuerst die Idee und das Motiv!
Ähnlich bei einem Buch, dass sie mit zwei Kindern (4 und 7 Jahre)
gemacht hat. Hier wurde mit Moosgummi, Schere und Klebstoff gearbeitet
und heraus kamen beindruckende, fantasievolle Tiergestalten. Text und
Bilder sind von Hand gedruckt in einer Auflage von 200 Stück. "Das war
harte Arbeit", erzählt Anne Büssow schmunzelnd und seither druckt sie
kleinere Auflagen. Das sie gern mit Kindern arbeitet, wenn diese es
freiwillig tun, wird auch deutlich, als sie von einem Holzschnitt- und
Theaterworkshop in Tuzla (Bosnien) berichtet. Unter einfachen
Bedingungen, in einem überfüllten, durch Vorhänge getrennten Raum ohne
Stuhl und Tisch, sind beindruckende Arbeiten entstanden. Diese Kinder,
die einen großen Teil ihrer Jugend in Kellern verbracht haben, waren
nur zu gern bereit, ihre Eindrücke in das Holz einzugraben, fünf
Stunden am Tag, eine Woche lang! Soziales Engagement in Verbindung mit
Kunst kennzeichnet auch das Projekt Druckwerkstatt in Matagalpa
(Nicaragua). Seit fünf Jahren betreuen Anne Büssow und Eckhard
Froeschlin dieses Projekt und auch in diesem Jahr gibt es wieder einen
Kalender mit Druckgraphiken aus Nicaragua (für 90 �). Die Hälfte davon
dient der Finanzierung der Druckwerkstatt und geht an die Autoren in
Matagalpa.
Es gäbe es noch
viel zu berichten über Projekte, Bücher, Graphiken, das Haus und deren
Bewohner, über Hoch- und Tiefdruck. Die Besucher waren beeindruckt und
so mancher wurde noch seine Fragen los bevor sich Kurt Kochendörfer im
Namen der Kultur OHG mit einem kleinen Präsent bei Frau Büssow für den
Abend bedankte. Der Abschied zog sich dann noch etwas hin und im
kleinen Kreis wurde noch so mancher Gedanke geäußert. Wer übrigens
seine Ideen auch mal "mit Druck ins Holz eingraben" möchte: Über die
VHS gibt es Schnupperkurse!
Unsere
Werkstattgespräche 2003 sind vorbei, bedauerlich wer nicht dabei sein
konnte.
Als Trost darf ich verkünden: 2004 geht es weiter, vier
Werkstattgespräche sind in Aussicht! Was und wann erfahren sie in den
"Frankenhardter Mitteilungen", im Vereinsticker auf www.frankenhardt.de
oder unter www.kultur-ohg.de
pn
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